| Liebe Eltern, liebe Kollegsgemeinschaft.
Aufgrund der besonderen Situation und den momentanen Veränderungen
hier am Kolleg fiel es uns schwer, angemessene Worte zu finden.
Doch gerade jetzt sehen wir als Teil der Kollegsgemeinschaft
unsere Chance, Worte des Lobes, der Anerkennung, aber auch
der Kritik in dieser Zeit der Veränderung anzubringen,
die hoffentlich nach kurzer Zeit nicht wieder stagnieren.
Durch die ständige Auseinandersetzung mit unseren Zukunftsvorstellungen
während des letzten Jahres hat sich unser Blickwinkel
in Bezug auf das Kolleg verändert.
So wurde uns bewusst, wie viel uns dieses Haus bedeutet.
Gerade durch diese Bedeutung, die das Kolleg für uns
gewonnen hat, finden wir konstruktive Kritik berechtigt und
wir hoffen, dass die zuständigen Personen dies als Chance
sehen, unsere Anregungen in den momentanen Wandel einfließen
zu lassen. Und obwohl diese Kritik schon des öfteren
genau an dieser Stelle vergeblich zum Ausdruck gebracht wurde,
sind wir, wie auch einige Vorgänger, der Ansicht: Steter
Tropfen höhlt den Stein.
So ist uns aufgefallen, dass das Kolleg nach außen
hin eine große Wirkung auf Menschen hat, ob das nun
neue Schüler, unser Eltern oder sonstige Personen sind.
Allein schon der Bau des Klosters, die pädagogische Konzeption
des Internates und die einzigartigen Innovationen, wie zum
Beispiel die Euroklasse und das Chinaprojekt, imponieren und
überzeugen. Auch wir haben von diesen Projekten profitiert
und halten sie für sehr unterstützenswert. Dennoch
sind wir auch der Meinung, dass gerade das Chinaprojekt einen
zu hohen Stellenwert eingenommen hat. Zwar ist es gut, eine
Partnerschule in China zu haben, doch sollte zuerst der Kontakt
zu Partnerschulen im europäischen Ausland mehr unterstützt
und intensiviert werden, so dass ein Austausch in der Mittelstufe
obligatorisch wird. Übertrieben finden wir auch den Werbeaufwand,
der um dieses Projekt nach außen hin gemacht wird. So
entsteht bei der Schülerschaft das Gefühl, dass
ihre Interessen in den Hintergrund treten und dass das Hauptaugenmerk
nur auf der guten Repräsentation des Kollegs liegt.
In den letzten Jahren wurde auch verstärkt die Diskussion
über das schwindende Engagement der Schüler geführt.
Dies liegt nicht nur an dem mangelnden Interesse der Schüler,
sondern sicherlich auch an den Schwierigkeiten, denen Schüler
entgegensehen, wenn sie versuchen, neue Ideen in die Tat umzusetzen.
So werden Eigeninitiativen meistens schon im Ansatz abgewürgt,
da in der Zeit schon andere Arbeitsgemeinschaften tätig
sind oder Pflichtzeiten (Studierzeit) diese neuen Ideen nicht
erlauben. Unserer Meinung nach sollten bei diesen Versuchen,
Neues am Kolleg zu schaffen, mehr Ausnahmen gemacht werden.
Trotz der langen Tradition sollte man noch öfter über
seinen eigenen Schatten springen können. Wir sind der
Meinung, dass unser Kolleg den einzelnen Schüler mit
seinen Fähigkeiten und Begabungen noch mehr fördern
und unterstützen sollte.
Eine sehr positive Erneuerung ist die Einrichtung der Computerräume
in der Schule und in den Internatsbereichen. Es wäre
begrüßenswert, wenn diese neu geschaffenen Möglichkeiten
in der Unter- und Mittelstufe mehr in den Unterricht einbezogen
würden. Doch sollte diese Initiative weiter unterstützt
werden, eine Verbindung zum Internet muss so schnell wie möglich
eingerichtet werden, dass die Schüler den für die
Zukunft wichtigen Umgang mit dem neuen Medium nicht verpassen.
Ebenfalls erachten wir es für sehr gut, interessante
und informative Bildungsforen am Kolleg abzuhalten. Uns wurden
dadurch teilweise völlig neue Perspektiven eröffnet.
Diese Arten der zusätzlichen Vermittlung sind für
die Erweiterung des Bildungshorizontes ungemein wichtig. Denn
gerade solche nebenschulischen Aktivitäten sind eine
Besonderheit des Kollegs, auf denen man sich nicht ausruhen
darf, sondern die ständig weitergeführt und ausgebaut
werden müssen.
Was wir als Abiturjahrgang 1998 jedoch sehr bedauern, ist,
dass uns, nach den umstrittenen Erfahrungen mit unseren Vorgängern,
die Abiturgestaltung von Anfang an eingeschränkt wurde.
Trotz der Bereitschaft zur Kooperation, eine für beide
Seiten akzeptable Lösung zu finden, wurden wir abgewiesen.
Es wurde uns nicht einmal die Chance gegeben, unsere Absichten
der Kollegsleitung von vornherein darzulegen. Dies ist leider
ein Indiz dafür, dass die Kommunikation zwischen Schülern
und Leitung gar nicht existiert und vielleicht sogar vermieden
wird.
Das Kolleg hat gute Ansätze wie z.B. den gemeinsamen
Patresabend, aber die Kommunikation bleibt trotzdem auf einem
Minimum, da diese Gelegenheiten leider eine Rarität sind.
Die Kollegsgemeinschaft sollte, gerade auch im kleinen Rahmen,
zueinander finden, damit die Lehrer/Erzieher und vor allem
die scheinbar unantastbare Leitung zugänglich wird.
Mit Dankbarkeit und Freude wollen wir auch sagen, dass es
eine ganze Reihe Personen gibt, die sich selbst in Ihrer Freizeit
außerordentlich für uns und die übrige Schülerschaft
engagiert und bemüht haben. Sie haben uns stets ein Gefühl
von Fürsorge und persönlicher Geborgenheit gegeben.
Wir danken allen Lehrern für ihre geduldige und ausdauernde
Hingabe, uns zu diesem lang ersehnten Ziel begleitet zu haben.
Wir danken den Erzieherinnen und Erziehern für die für
sie bestimmt nicht leichte Zeit, alles unter Dach und Fach
zu halten, und vor allem das Gruppenleben und die feste Gruppengemeinschaft
bestärkt zu haben .
Wir danken dem Personal für die oft ungeachtete Anstrengung,
die uns das Leben am Kolleg doch sehr angenehm gemacht hat.
Wir danken auch den Mitschülern für die schöne
und lustige Zeit, die wir mit ihnen erlebt haben.
Zuletzt möchten wir vor allem unseren lieben Eltern
danken, dass wir diese wertvolle, wunderschöne und unvergessliche
Zeit hier am Kolleg verbringen durften.
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